
Es ist längst kein Geheimnis mehr, das man nur hinter vorgehaltenem Weinglas flüstert: Wir trinken weniger. Gut, wir reden hier von Wein und natürlich nicht von Wasser. Aber als Weinhändler betrifft uns diese Tatsache direkt und in besonderem Maße, weshalb wir uns mit diesem aktuellen Thema auch in unserem Magazin befassen.
Weltweit sank der Weinkonsum 2025 auf 208 Millionen Hektoliter – ein historischer Tiefstand, ein Minus von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch in Österreich zeigt der Trend nach unten: Der Pro-Kopf-Konsum sank im Weinwirtschaftsjahr 2024/25 auf 25,5 Liter, ein halber Liter weniger als im Vorjahr. Im Kalenderjahr 2025 fiel der Weinkonsum laut Landwirtschaftskammer sogar um 5,2 Prozent – Statistik Austria macht dafür vor allem gestiegenes Gesundheitsbewusstsein und häufigere Verkehrskontrollen verantwortlich. Grund zur Panik? Nicht unbedingt – aber Grund genug, genauer hinzuschauen.
Die Ursachen sind vielfältig, aber nicht rätselhaft. Ein neues Gesundheitsbewusstsein, verändertes Ausgehverhalten, die angespannte wirtschaftliche Lage und verschobene Prioritäten – Sport statt Feierabendglas – spielen alle mit hinein. Bei der jungen Zielgruppe zeichnet eine aktuelle ÖWM-Studie allerdings ein differenzierteres Bild: 20- bis 35-Jährige in Österreich trinken zwar insgesamt weniger Alkohol, doch Wein bleibt mit Abstand ihr liebstes Getränk – 67 Prozent greifen zumindest gelegentlich zum Glas, deutlich vor Bier (56 Prozent) und Cocktails (53 Prozent). 44 Prozent der jungen Weintrinkerinnen und Weintrinker tun das sogar mindestens einmal pro Woche, bei Gen Z noch etwas häufiger als bei den Millennials. Und satte 98 Prozent greifen zu österreichischem statt ausländischem Wein. Die junge Generation trinkt also nicht weniger Wein, weil sie ihn nicht mag – sie trinkt insgesamt bewusster.
Trotzdem hat Wein ein Imageproblem, mit dem sich die Branche auseinandersetzt: Er gilt vielen als kompliziert, mit Regeln und Etikette, die vor allem beim Einstieg abschrecken. Junge Konsumentinnen und Konsumenten trinken zudem lieber abwechslungsreich und erwarten, dass Wein „ready to drink“ ist – wer soll auch noch einen Keller zum Lagern haben, wenn schon die WG-Küche für den Wasserkocher zu klein ist? Die Österreich Wein Marketing reagiert darauf: Seit Herbst 2025 richtet sich die neue Marke „rot weiss rosé“ gezielt an die 20- bis 35-Jährigen, um diese Zielgruppe langfristig an den Wein zu binden.
Parallel dazu wächst ein Trend, dem man seine Berechtigung nicht absprechen kann: alkoholfreie und alkoholarme Alternativen. In Österreich wuchs der Absatz von alkoholfreiem Schaumwein zuletzt um 36 Prozent, während der klassische Weinmarkt 2025 ein Absatzminus von 3,8 Prozent verzeichnete. Die ÖWM hat 2024 eigens technische Voraussetzungen in der Weindatenbank für „No & Low“-Weine geschaffen, damit Winzerinnen und Winzer diese künftig auch bei ÖWM-Veranstaltungen präsentieren können; international könnte sich laut IWSR (International Wine and Spirits Research) der weltweite Umsatz mit alkoholfreiem Wein bis 2031 sogar mehr als verdoppeln. Trotzdem: Ein Nischenprodukt wird es bleiben, den „echten“ Wein wird es nicht ersetzen. Nicht zuletzt, weil die Entalkoholisierung technisch aufwendig und keineswegs überall erlaubt ist – der Wein muss für den Prozess oft weite Wege zurücklegen, was dem CO2-Fußabdruck und der viel beschworenen Nachhaltigkeit einen ordentlichen Strich durch die Rechnung macht. Weniger Alkohol im Glas heißt eben nicht automatisch weniger Fußabdruck auf der Erde.

„Wir bemerken den Trend jüngerer Generationen zu alkoholfreien oder -armen Weinen auch in der Vinothek. Ich persönlich finde, dass dieser Markt jedoch noch großes Entwicklungspotential hat. Vor allem der Geschmack alkoholfreier Weine ähnelt für mich noch keineswegs dem klassischer Weine. Am ehesten kommen kalt getrunkene und mit Kohlensäure versetzte alkoholfreie Sekte den „originalen“ geschmacklich nah.“ Jürgen Wieländer, Diplomsommelier, Vinothek Gottardi
Der Umkehrschluss aus alldem: Es wird zwar weniger, aber dafür bewusster getrunken. High Quality Consciousness statt drei Kartons zu 15 Euro die Flasche – lieber eine Flasche, dafür eine Qualitätsstufe höher und mit Überzeugung ausgesucht. Vorsicht ist trotzdem geboten: Ein höherer Preis ist angesichts der Preissteigerungen der letzten Jahre längst kein verlässlicher Indikator mehr für höhere Qualität. Wer nur nach dem Etikett auf dem Preisschild geht, wird heute schneller enttäuscht als noch vor ein paar Jahren.

„Es ist mir – wie auch schon den vier Generationen vor mir – eine Herzensangelegenheit, jeden Wein sowie die Winzer:innen dahinter persönlich zu kennen. Die jahrelangen erfolgreichen Partnerschaften sind es auch, die immer neue und exklusiv bei uns erhältliche Wein(projekte) ermöglichen. Das garantiert einen hohen Qualitätsstandard für unser gesamtes Sortiment unabhängig vom Preis.“ Elisabeth Gottardi, Weinexpertin und Gottardi-Geschäftsleiterin
Und genau hier kommen wir ins Spiel: Seit Anbeginn setzen wir auf eine kuratierte Auswahl an Weinen und Winzerinnen und Winzern, die derselben Philosophie folgen wie wir – heute wie schon zu Zeiten unserer Vorfahren: Partnerschaft, Vertrauen, Qualitäts- und Nachhaltigkeitsbewusstsein sind dabei keine Schlagworte, sondern Arbeitsgrundlage unserer Zusammenarbeit. Preise stehen dabei nie im Mittelpunkt, sondern unser Anspruch an den Wein – Geschmack, Preis-Leistung, Herkunftstypizität. Wir suchen nicht die lauteste Flasche im Regal, sondern jene, die zu dem steht, wofür sie gemacht wurde. Weniger, aber richtig. Das war schon immer unsere Devise – jetzt liegt sie einfach im Trend.




